Faszination Berg

 

Bergwandern erlebt einen Boom auch als Breitensport. Ina Schriebl sprach mit dem

Sportwissenschafter Walter Reichel über die gesundheitlichen Aspekte der Faszination Berg.

Faszination Berg

 

Wie schaut eine optimale Vorbereitung auf eine große Bergtour aus?

Im April beginnt das Grundlagentraining, wenn man im Herbst etwa den Glockner besteigen möchte. Das bedeutet: Drei Einheiten Laufen oder Radeln pro Woche zu 60 bis 90 Minuten bauen ein gutes Fundament auf. Optimal als Steuerung des Trainings gilt die so genannte Borg-Skala, in der das subjektive Anstrengungsempfinden bewertet und danach das Training ausgerichtet wird. Das ist eine 20-teilige Skala: Eins bis sechs sind keine Belastung, 10 ist etwa eine Belastung mit geringer Atemnot. Trainingswirksam sind Belastungen zwischen etwas anstrengend (13) und anstrengend (15). 20 ist, wenn man sehr, sehr hohe Atemnot bekommt. 

 

Entscheidend ist also, wie man selbst die Belastung empfindet? 

Ja. Im Mai und Juni folgt dann Kraft und Koordination als gute Ergänzung zum Ausdauertraining, das in dieser Zeit etwa 150 Minuten pro Woche Umfang haben sollte. Ab Juli sollte man sich zusätzlich das Ausdauertraining in der Höhe vornehmen. Optimal sind zwei bis vier Mal im Monat Einheiten mit einer Überwindung von 500 bis 1.000 Höhenmeter. In Gebirgslagen von 1.500 bis 2.000 Meter sollte man jetzt 400 bis 600 Höhenmeter pro Stunde im Aufstieg zurücklegen können. Ab Herbst kann es dann unter fachkundiger Führung bereits zu Hochtouren losgehen, natürlich nicht ohne zuvor das technische Rüstzeug bei diversen alpinen Vereinen erhalten zu haben.

 

Was fasziniert Menschen daran, in die Berge zu gehen?

Die Hauptgründe sind die Abenteuerlust und der Wunsch, Natur zu erleben und nicht zuletzt eigene Grenzen zu überschreiten. Heute ist es vor allem ein Weg zurück zur Natur und letztlich das Bedürfnis, sich selbst über das Naturerleben besser zu spüren. Wenn man die Trends im Breitensport in den vergangenen Jahren ansieht, ist der Bergsport sicher ein echter Trendsport geworden und hat einen Boom erlebt. Die Faszination ist das Naturerlebnis kombiniert mit Körperwahrnehmung, dem Spüren der eigenen Grenzen und Leistungsfähigkeit und vielleicht auch ein bisschen die Grenzerfahrung.

 

Was macht den Bergsport aus, was ist zu beachten?

Beim klassischen Bergwandern, also beim Wandersport, richten sich die Erfordernisse vor allem nach der Fitness des Wanderers. Wandern hat eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und trainiert die körperliche Fitness. Stimmen die Höhe der Belastung, also die Trainingsintensität, und die Dauer der Wanderung, der Trainingsumfang, dann ist Wandern eine hochwirksame Ausdauersportart. Gleichzeitig sind die Grunderfordernisse nicht so hoch, dass man sich technische Fertigkeiten aneignen muss. Das kann also jede und jeder machen. Wenn man das freudvoll mit dem Naturerlebnis kombiniert, ist es ein Sport, den die ganze Familie ausüben kann; in jedem Fall also auch für Kinder absolut tauglich. Es gibt hier klar einen Trend – auch wenn man sich die Verkaufszahlen der Sportartikelindustrie ansieht: Wandern ist absolut in.

 

Wie wirkt der Bergsport auf die Gesundheit?

Entscheidend ist neben der Erlebniskomponente, dass der Bergsport hohen gesundheitlichen Nutzen hat. Um ein Training sinnvoll durchzuführen, braucht man einen gewissen Umfang und eine gewisse Intensität – also einen Anstrengungsgrad. Mit Bergwandern hat man den großen Nutzen, dass man einen längeren Zeitraum in einem trainingswirksamen Bereich aktiv ist. Durch die Höhe und das Gelände hat man zudem einen höheren Anstrengungsgrad, eine höhere Intensität als im Vergleich beim normalen Spazierengehen. Mit Bergwandern gelangt man daher leichter in einen optimalen Trainingsbereich. Es gibt aber auch noch zusätzliche Vorteile, etwa dass sich dabei die koordinativen Fähigkeiten schulen lassen – über unterschiedliche Geländeformen werden etwa unter anderem die Gleichgewichtsfähigkeiten trainiert. Nimmt man den Klettersteig dazu, hat man auch einen hohen Kraftanteil dabei. Alles in allem ist Berggehen ein hocheffizientes Ausdauer-, Kraft- und Koordinationstraining mit gleichzeitig hohem Erlebnischarakter.