von Mag. Norbert Fuchs I Bild Pixabay
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Wer rastet, der rostet

 

Kein schöner Leitspruch, aber treffend. Eine Teilnehmerin eines Ernährungsseminars verblüffte mich einmal mit einer scheinbar naiven Frage: „Wenn ich Nahrungssupplemente zur Förderung meines Gehirnstoffwechsels einnehme, wie wissen dann die zugeführten Nährstoffe, dass ich sie zur Stärkung meiner mentalen Leistungsfähigkeit benötige?“ Ja, gute Frage, dachte ich mir. Wie „wissen“ unsere Nährstoffe tatsächlich, wo sie gebraucht werden? In der Muskulatur? Im Herzen? In der Leber? Im Immunsystem? Im Gehirn?  

 

Die Antwort dazu war scheinbar ähnlich naiv wie die gestellte Frage: „Indem wir ihnen ,zeigen‘, wo sie gebraucht werden.“ Wenn ich Mikronährstoffe gezielt zuführe, um meine körperliche Performance zu verbessern, dann muss ich dazu auch den Körper entsprechend belasten – durch gezielten Muskelaufbau. Wenn ich meine geistige Leistungsfähigkeit auf Trab halten will, muss ich meinen Intellekt in Bewegung halten – durch gezielte mentale Trainingsübungen. Will ich mein Herz-Kreislauf-System stärken, muss ich auch dieses trainieren – durch regelmäßiges Ausdauertraining. Will ich die substanzielle Qualität meines Nervensystems aufbauen, dann muss ich das Nervensystem gezielt stimulieren – durch Fuß- und Handreflexzonenmassagen und durch Elektrostimulation. Will ich mein Bindegewebe entsäuern, so kann ich den Entschlackungseffekt ebenfalls durch Bewegung optimieren – nämlich durch begleitende Faszienmassagen und Faszientraining. 

 

Eine Nährstoffzufuhr ohne begleitende Bewegung bringt also in der Tat nichts, oder nur wenig. Nur wenn ich die zu trainierenden Organe begleitend durch „Bewegung“ provoziere, belaste, stärke, nur dann aktiviere ich auch den Stoffwechsel, den Nährstoffumsatz in diesen Organen. Nur dann „wissen“ die zugeführten Mikronährstoffe auch, wo sie hinmüssen. Nur dann erfüllen sie ihre Funktionen mit maximalem Wirkungsgrad.

 

Ich habe beruflich mit Menschen viel zu tun, die an chronischen Erkrankungen leiden. Viele von ihnen haben eines gemeinsam: Sie sind Bewegungsmuffel. Viele von ihnen auf körperlicher Ebene, viele aber auch geistig. 

 

Körperliche und geistige Trägheit sind, neben der permanenten Zufuhr wertloser Kalorienträger, vermutlich der Risikofaktor Nummer eins für die enorm ansteigende Zahl sogenannter Zivilisationserkrankungen. Seien wir doch ehrlich zu uns selber. Addieren wir doch einmal alle gerade nötigen körperlichen Aktivitäten eines durchschnittlichen Arbeitsalltages auf: Aufstehen – Badezimmer – Frühstück – Auto/Straßenbahn – ein paar Schritte zum Arbeitsplatz – dort ein paar Schritte von Büro zu Büro – Kantine – Auto/Straßenbahn – Abendessen – Schlafzimmer. 

 

Die tägliche körperliche Aktivität vieler von uns erinnert zum Teil bereits frappant an eine chronische Bettlägerigkeit. Keine guten sozialökonomischen Aussichten im Zusammenhang mit alarmierend wachsenden Fällen von Übergewicht, Diabetes, mentalen Leistungsstörungen und immunologischen Erkrankungen in unserem industriellen Kulturkreis.