Wege aus dem Stimmungstief

Tage, an denen alles grau erscheint, kennt nahezu jeder. Ebenso Situationen in denen Alltagsbelastungen zu Unwohlsein und Schlaflosigkeit führen. Derartige Verstimmungen sind noch keine manifesten psychischen Erkrankungen. Solche wiederum zu erkennen ist aber nicht immer einfach. 

Es ist grau und kalt, die Tage werden kürzer, die Dunkelheit nimmt zu – vielen Menschen schlägt der Winter aufs Gemüt. Die Folgen sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Heißhunger auf Süßes. Schokoladehersteller machen in dieser Jahreszeit angeblich die besten Geschäfte des Jahres. Nach Schätzungen leidet jeder Dritte an der sogenannten saisonal bedingten Depression.

Schuld am Stimmungstief ist das fehlende Licht während der Herbst- und Wintertage. Denn nur unter Ein uss von Sonnenlicht produziert der Körper verstärkt Glückshormone (Endorphine) und den stimmungsaufhellenden Botenstoff Serotonin. Bei mangelndem Licht produziert der Körper hingegen mehr des Botenstoffes Melatonin. Und der macht müde, weil er für den Schlaf-Wach-Rhythmus zuständig ist. Entstehungsbiologisch ist das durchaus nachvollziehbar: Da in den kalten Jahreszeiten die Nahrung knapp wurde, war es einst besser, mit den Energieressourcen zu haushalten. Doch unsere heutige Lebensweise lässt solche Ruhephasen kaum noch zu. Hinzu kommt, dass wir den Großteil des Tages in geschlossenen Räumen verbringen. Mangelnde Bewegung und ungesunde Ernährung tun also ein Übriges.

Bis zu 200.000 Menschen in Österreich leiden an einer regelmäßig in der dunkleren Jahreszeit wiederkehrenden Herbst-Winter-Depression. Das ist das Ergebnis einer Studie an der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Medizinuniversität Wien. Die genauen Ursachen sind noch unklar. Einer amerikanischen Studie aus dem Journal Mayo Clinic Proceedings zufolge soll auch Mangel an Vitamin D direkt mit Depressionen zusammenhängen. Andere Stu- dien untermauern das. Durch den Ein uss von Sonnenlicht werden bis zu 90 Prozent des vom Organismus benötigten Vitamin D in der Haut gebildet. Und im Winter sind nun einmal die meisten Menschen eher in Räumen und die Tage sind zudem kürzer. Dabei reichen schon zehn Minuten in der Sonne um die Produktion von Vitamin D anzukurbeln (siehe Tipps gegen den Winterblues). Vitamin D kann auch über die Nahrung aufgenommen werden. Vor allem fetthaltige Fische wie Hering oder Makrele können die Produktion fördern. In deutlich geringerem Maße enthalten auch Leber, Pilze und Eigelb Vitamin D.

Die bewährteste alternative Heilpflanze gegen milde depressive Verstimmung ist das Johanniskraut. Es gibt eine große Auswahl an rezeptfreien Präparaten in Apotheken und auch entsprechende Beratung dazu. Der Effekt ist allerdings meistens erst nach mehreren Wochen bemerkbar. Und Achtung: Zuviel Sonnenlicht sollte während der Behandlung gemieden werden, da Johanniskraut die Lichtemp ndlichkeit steigert. Bei einer Einnahme ist es zudem ratsam, einen Arzt beizuziehen, da Johanniskraut auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben kann.

 

Die Serotoninproduktion ankurbeln

Ein weiteres Mittel gegen Depressionen ist Magnesium. Das Mineral spielt eine wichtige Rolle bei der Bildung von Serotonin und einer gesunden Nervenfunktion. Niedrige Spiegel von Vitamin B werden ebenso mit Depressionen in Verbindung gebracht.

Wenn depressive Verstimmungen trotz Gegenmaßnahmen länger als zwei Wochen andauern und mit Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen und Lustlosigkeit einher gehen, sollte ärztliche Hilfe zu Rate gezogen werden. Der Hintergrund könnte dann auch in manifesteren psychischen Erkrankungen liegen. Auch das ist noch kein Grund, sich zu verstecken: Fast jeder dritte Mensch leidet Schätzungen zufolge mindestens einmal im Leben an einer psychischen Erkrankung. Tendenz steigend. Unter Psyche versteht man die „Gesamtheit des menschlichen Fühlens, Empfindens“. Kommt das aus der Balance, spricht man von psychischen Störungen, sagt die Weltgesundheitsorganisation, weil der Begriff neutraler und weniger stigmatisierend ist, als der Begriff der psychischen Erkrankung. Psychische Störungen können jeden treffen. 

 

10 Tipps gegen den Winterblues

 

1. Licht und Luft tanken: Auch das Wetter schlecht ist, gehen Sie täglich ins Freie. Selbst an grauen Tagen ist das natürliche Tageslicht drei- bis viermal stärker als die Beleuchtung in Räumen.

 

2. Ernährung: Achten Sie auf ausgewogene Ernährung. Zu Depressionen neigende Menschen essen im Winter deutlich mehr süße und kohlenhydratreiche Nahrung als im Sommer. Denn Kohlenhydrate bedingen die Produktion des stimmungsaufhellenden Serotonins im Körper.

 

3. Bewegung – am besten im Freien: Sport steigert das psychische Wohlbe nden durch die Ausschüt- tung verschiedener körpereigener Glückshormone und Stimmungsaufheller.

 

4. Kreislauf: Ein aktiver Kreislauf ist ein gutes Rezept. Bringen Sie ihn gleich am Morgen in Schwung. Ob mit Wechselduschen, einem Spaziergang gleich nach dem Frühstück oder Gymnastik am offenen Fenster.

 

5. Aktivitäten: Besonders einsame Menschen laufen Gefahr, sich trüben Gedanken hinzugeben. Treffen Sie Freunde, treiben Sie Sport, gehen Sie aus.

 

6. Wellness: Tun Sie regelmäßig etwas Gutes für Körper und Seele. Sauna, Massage und Wellness- anwendungen helfen.

 

7. Farben: Gelbe, orangefarbene und rote Farbtöne – die Farben warmer Jahreszeiten - wirken anregend und belebend.

 

8. Urlaub: Kehrt die saisonale Niedergeschlagenheit jeden Winter wieder, kann die Flucht in den Süden oder ein Ausflug in den Schnee wahre Wunder helfen.

 

9. Lichttherapie: Wem all das nicht hilft, der sollte es mit Lichtbehandlung versuchen. Die Methode hat sich als wirksam gegen Winterdepressionen erwiesen.

 

10. Psychotherapie: Bei regelmäßig wiederkehrenden saisonal bedingten Depressionen kann eine Psychotherapie helfen. Holen Sie sich professionelle Unterstützung.