Auf Hippokrates' Spuren

 

Urlaub am Meer. Viele träumen das ganze Jahr davon, dann endlich Ferien: auf und davon! Dass eine solche Reise neben Erholung auch für die körperliche Gesundheit vieles bietet, zeigt ein Lokalaugenschein auf Kos, der Insel des Hippokrates', des „Vaters der Medizin“.

Von Thomas Hartl

 

Früher pilgerten die Menschen auf die Insel des Hippokrates auf der Suche nach Heilung, heute ist vor allem die Hoffnung auf Erholung mit im Gepäck. Wer auf die Insel Kos fliegt, der landet nach zweieinhalb eingequetschten Flugzeug-Stunden auf einem recht übersichtlichen Flughafen. Zwei Förderbänder reichen aus, um die Koffer von einer halben Million Urlauber pro Jahr auszuspucken. Die Insel selbst ist mit einer Küstenlänge von 113 Kilometern sehr überschaubar, mit dem Mietauto lässt sich die Insel an einem Tag erkunden. Die Insel ist meist sehr flach und daher für Radtouren gut geeignet. An den Küsten bläst der Wind, mitunter auch heftig, die Wassersportler freut das, für Sonnenanbeter können Windstärken über drei Beaufort aber auch ziemlich ungemütlich sein.

Die Insel Kos ist der Geburtsort von Hippokrates (460 v. Chr.). Auf ihn sollen grundlegende medizinische Errungenschaften wie Diagnose und Therapie von Krankheiten sowie deren Kategorisierung zurückgehen. Seine Arbeit und die seiner Schüler wurden in 70 Bänden zusammengefasst. Das Werk enthielt außerdem Verhaltensregeln, wie zum Beispiel Kleiderordnung oder Vorschriften, die das Leben der Heiler regelten. Der „Eid des Hippokrates“ wird bis heute als das Bedeutendste seiner Schriftstücke betrachtet. Die, die den Eid leisten, versprechen ein heiliges, reines Leben zu führen und den Bedürfnissen der Patienten ihr ganzes Leben zu dienen.

 

Meeresluft regt das Immunsystem an

Einer der wenigen Ärzte, die sich dieser Frage intensiv widmen, ist der Internist und Uniprofessor Egon Humpeler vom Institut für Urlaubs- und Freizeitmedizin in Bregenz: „Die Meeresluft regt wegen ihres hohen Salzgehalts und des hohen Gehalts an Jod, Magnesium und Spurenelementen die Immunreaktionen der Atemwege und der Haut an. Darum kann ein Urlaub am Meer positiv für Menschen mit Erkrankungen der Atemwege wie Asthma oder chronische Bronchitis sowie für Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte sein.“ Der Wind macht nämlich nicht nur die Hitze erträglich, er peitscht auch die Wellen auf, wodurch Salzkristalle in die feuchte Luft wirbeln und diese Solecharakter erhält. Positiv für die Atemwege ist auch die am Meer weitgehend allergenfreie Luft, die so gut wie keine Auslöser von Allergien enthält. Nicht zu vergessen: Die Sonne verhilft zum lebenswichtigen Vitamin D. Gebildet wird es durch Sonnenlicht in der Haut. Nach Ansicht von Experten leiden bis zu 90 Prozent der Bevölkerung an einem Lichtmangel. Aber Vorsicht: Man kann nicht auf Vorrat Vitamin D speichern. Stundenlanges Sonnenbaden ist für die Haut schädlich. Daher: regelmäßig, aber kurz in die Sonne.

 

Auch Schmerzgeplagte wissen von positiven Strand-Effekten zu berichten. Muskelverspannungen vermindern sich ebenso wie Gelenksbeschwerden. „Oft hilft das Liegen im heißen Sand außerordentlich gut. Wer das Meer und den Strand darüber hinaus zum Schwimmen, Tauchen, Spazieren oder Joggen nützt, tut noch dazu etwas für seinen Bewegungsapparat und seine Fitness“, sagt Urlaubs- und Freizeitmediziner Humpeler.

 

Damit ein Urlaub am Meer positiv auf die Gesundheit wirkt, ist es auch nötig, mögliche negative Auswirkungen zu minimieren. Dafür empfiehlt der Vorarlberger Urlaubsmediziner Humpeler folgende Punkte zu beachten:

 

• Die hohen Temperaturen berücksichtigen. Der Wind lässt die Hitze geringer erscheinen, als sie ist. Viel Wasser trinken, sonst droht hoher Flüssigkeitsverlust, besonders bei Kindern kann das gefährlich werden.

• Sonnenbrand vermeiden. Die Sonne ist am Meer kräftiger als zuhause. Zwischen 11 und 15 Uhr besser im Schatten bleiben. Kein Einheimischer würde in dieser Zeit freiwillig in die Sonne gehen.

• Sport in der Hitze nicht übertreiben. Essen, Trinken, Vergnügungen aller Art mit Maß und Ziel.

• Keine übermäßigen und überflüssigen Risiken eingehen, etwa Motorrad fahren ohne Helm, betrunken in der Sonne schlafen. Wer im Ausland einen Arzt braucht, muss mitunter tief in den Geldbeutel greifen.

• Es langsam angehen. Den Urlaub nicht mit allzu viel Aktivitäten vollpacken.

• Urlaubsdauer: Sich Zeit für den Urlaub nehmen. Wenn möglich, mindestens eine ganze Woche verreisen. Besser wären zwei oder drei Wochen. Je weiter weg man fährt, desto mehr Zeit sollte man sich nehmen.

• Das tun, was einem Spaß macht. Verreist man als Familie, sollte man im Vorfeld planen, was man unternehmen will. Nicht darauf beharren, dass alles immer gemeinsam gemacht werden muss. Und vor allem: die Arbeit zuhause lassen, auch im Geiste.