Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

 

Sommerzeit ist immer auch Urlaubs- und Reisezeit. Viele sind gerade dabei, ihre Koffer zu packen. Andere gehen einfach los. Zu Fuß. „Auch der längste Weg beginn mit einem Schritt“, sagt ein chinesisches Sprichwort.

 

Noch vor 100 Jahren gingen unsere Vorfahren im Schnitt 20 Kilometer am Tag zu Fuß. Heute schafft ein durchschnittlicher Europäer etwa 700 Meter pro Tag, ein US-Amerikaner deutlich weniger. Das wäre an sich noch kein großes Problem, wäre nicht die Energiezufuhr, statt sich ebenfalls zu reduzieren, gestiegen. Die durchschnittliche Kalorienzufuhr für eine heute primär körperlich inaktiv berufstätige Bevölkerung liegt laut Ernährungswissenschafter bei durchschnittlich 2000 Kilokalorien für Frauen und 2500 für Männer. 

 

Um 2500 Kilokalorien zu verbrennen, muss ein erwachsener Mensch mit etwa 73 Kilogramm Körpergewicht mindestens drei Stunden lang joggen. Anders ausgedrückt: Die Energiezufuhr reicht aus, um in drei Stunden eine Distanz von 30 Kilometer zu joggen oder um gemütlich etwa

13 Stunden zu gehen. Wir nehmen also wesentlich mehr Energie zu uns, als wir verbrauchen – für 700 Meter braucht ein normaler Fußgänger etwa zehn Minuten.

 

Die WHO empfiehlt übrigens fünf Mal pro Woche wenigstens eine Stunde Bewegung. Doch dafür fehlt den meisten schlicht die Zeit. Allein zwischen 1995 und 2003, so ergab eine Untersuchung des Verkehrsclub Österreich (VCÖ), ist die Anzahl der Wege, die Kinder im Auto zurücklegen oder besser zurückgelegt werden, um 38 Prozent gestiegen.

 

In den vergangenen Jahren wurde allerdings eine Trendumkehr sichtbar: Bewegung wird wieder modern – vor allem in der Freizeit. Nicht zuletzt Lifestyle-Berichte und Trendsportarten sowie die andauernden Hinweise von Gesundheitsexperten und  -politikern zeigen hier Wirkung – wenn auch nicht immer die gewünschte. Jeder gute Hausarzt empfiehlt seinen Patienten Bewegung – am besten durch Wandern; jede Reha-Klinik hat es im Programm. Dennoch setzen Sportmedizin und Fitness-Päpste auf mehr: Kürzer und schneller ist die Devise, der Kreislauf muss auf Touren kommen, der Atem ins Schnaufen. Nordic Walking oder Joggen ist das Mindeste.

 

Dass das langsame, aber lang andauernde Wandern letztendlich mehr bringt, ist erst eine vergleichsweise junge Einsicht, wurde aber nun durch eine aktuelle Untersuchung in Deutschland bestätigt. Der erste Hinweis kam von einer Postbotenstudie Anfang der 1960er-Jahre. Dieser zufolge hatten Schalterbeamte der Post im Vergleich zu Postboten bei zu Berufsbeginn gleichem Gesundheitszustand in ihrem Leben dreimal so viele tödliche Herzinfarkte. Postboten, die zum Schalterbeamten aufstiegen, verloren ihren Infarktschutz in wenigen Jahren. In den Folgejahren belegten groß angelegte Langzeitstudien mit Zigtausenden von Teilnehmern die positive Wirkung selbst einfacher Formen regelmäßiger Bewegung. 

 

Die größten Kalorienverbraucher sind die Beinmuskeln. Der Energieaufwand für einen Kilometer Gehen ist ähnlich groß wie für einen Kilometer Laufen (auf unebenen Naturwegen sogar erheblich größer); man braucht lediglich mehr Zeit dazu. Wanderungen führen überdies in der Regel über längere Strecken als Jogging- oder Walkingrunden. Folglich verbrauchen Wanderer maximal viel Bewegungsenergie.

 

 

„Bergluft ist ein wahrer Jungbrunnen,

ein Gesundheitsquell, ein Stimulans,

kurzum: eigentlich das beste, was man

für einen geschundenen kurzatmigen

Körper nur tun kann.“

 

Österreichische Gesellschaft für 

Alpin- und Höhenmedizin