Drei Fachleute, drei Behandlungsstrategien - nach zuviel Sonne

 

Traditionelle Chinesische Medizin (Dr. Florian Ploberger) 

 Aus Sicht der Traditionellen Chinesischen Medizin vertragen Menschen, die unter innerer Hitze leiden, äußere Hitze und somit auch Sonne nicht gut. Zu den Zeichen der inneren Hitze gehören starker Durst, roter Kopf, Hitzeunverträglichkeit, schneller Puls sowie eine rote Zunge.

Menschen mit einer derartigen Konstitution könnte man insofern kühlende Therapien zur Verbesserung aber auch Behandlung von Hitze-Symptomen empfehlen. Aufzuzählen sind: kühlende Nahrungsmittel wie beispielsweise Salate, Joghurt, Wassermelone und grüner Tee. Auch die meisten Mineralien wie Kalzium und Magnesium sind gut geeignet, um Hitze auszuleiten. Darüber hinaus könnte man westliche Kräuter wie beispielsweise Stiefmütterchen, Pfefferminze und Löwenzahn als Tee zur Anwendung bringen.

 

Personen, die unter der Hitze leiden und mit zu viel Sonne Probleme bekommen, sollten im Hinblick auf die Ernährung wärmende Produkte in jedem Fall meiden. Dazu gehören etwa scharfe Gewürzte wie Pfeffer, Chili, Ingwer und Zimt. Alkohol – mit der Ausnahme von in Maßen genossenem Bier und Weißwein – sowie Fleischgerichte sollten ebenfalls gemieden werden.   

 

Homöopathie (Dr. Gloria Kozel)

Bei allem Zuviel reagiert der Körper in seiner ihm eigenen Weise: Zu viel Sonne auf der Haut – Sonnenbrand mit schmerzhafter Rötung der Haut benötigt Belladonna, die Tollkirsche.

 

Alles an Belladonna ist rot, heiß und brennt wie Feuer! Die Symptome: heftige Kopfschmerzen mit Blutandrang zum Kopf, Ruhelosigkeit, Schwindel, schneller Puls. Bewegung, Erschütterung verschlechtern die Beschwerden. Falls man in der Sonne eingeschlafen ist, können nicht nur Rötung, sondern auch Blasen auf der Haut entstehen - dann wird Cantharis, die Spanische Fliege helfen. Man bemerkt Jucken und Brennen auf der Haut, sie ist sehr berührungsempfindlich, und kalte Umschläge bessern vorübergehend. Ich empfehle die genannten Arzneien in der Potenz D 30 und bei Bedarf täglich 1x 5 Globuli in den ersten schlimmen Tagen.

 

Seit ich selbst Großmutter bin – Enkel Timmy ist gerade zwei Jahre alt – fällt mir der sicher umsichtige, vielleicht aber manchmal übertriebene Umgang mit Sonnenschutzmitteln auf. Junge Mütter sprayen Kinder aus Angst vor Melanomen mit Sonnenschutzfaktor 50 ein. Timmy bleibt den ganzen Sommer über blass, kommt aber möglicherweise in einen Vitamin D Mangel. Eine meiner Schülerinnen, eine engagierte Kinderärztin, berichtet von der Überlegung, aus diesen Gründen Kindern Vitamin D Tropfen das ganze Jahr zu verabreichen. Wie in allen Lebenssituationen ist auch hier das richtige Maß zu finden.

 

Gelsemium, der gelbe Jasmin eignet sich für Beschwerden wie Benommenheit, Schwäche, Schwindel, Zittern und langsamer Puls nach dem Aufenthalt in der Sonne, in der Hitze. Menschen, die in dieser Situation Gelsemium brauchen, haben einen roten, im Gegensatz zu Belladonna aber dunkelroten Kopf, es fröstelt sie.

 

Veratrum album, der weißer Germer, kommt bei blassem Gesicht mit dunklen Augenringen, Ohnmachtsgefühl zum Einsatz. Der Kopf ist schwer, es tritt ein intensiver Kopfschmerz auf, so als wolle der Kopf platzen. Gefühl von Hitze des Kopfes, manchmal abwechselnd mit Kälte, kalter Schweiß im Gesicht. Der Patient wirkt wie abwesend. Schnelles Herzklopfen mit unregelmäßigem Puls. Auffallend: schmerzhafte Empfindlichkeit der Kopfhaut und der Haare.

 

Wir denken an Carbo vegetabilis, Holzkohle bei einem blass-bläulichen Gesicht, kaltem Schweiß, großer Schwäche. Der Patient ist verlangsamt, denkt und reagiert langsam, friert, wünscht aber frische Luft und kalte Getränke zu trinken. Carbo vegetabilis fühlt sich nicht wohl in Gesellschaft, ist auch in diesem Schwächezustand gern allein. Er/sie ist schnell beleidigt, gereizt, unzufrieden und unglücklich. Potenz der genannten Arzneien: D 12 2x/Tag 5 Globuli oder D 30 1x/Tag.  

 

Anthroposophie (Dr. Christine Saahs)

 

Wir freuen uns auf die Sonnenstrahlen, die uns erwärmen, unsere Lebensfreude wecken und als Vermittler zwischen Kosmos und Erde der Ursprung allen Lebens sind.

Für Säuglinge ist das blaue Himmelslicht neben Muttermilch der wichtigste Anreger für eine gesunde Knochenbildung und wirkt vorbeugend gegen Rachitis.

 

Ein Zuviel an Licht bewirkt verfrühte Verhärtungstendenzen und überfordert das Nervensystem. Dies merkt man kurzfristig beim Sonnenstich. Es kommt durch zu starke Sonnenexposition insbesondere des Kopfes zu Übelkeit, Kopfschmerzen und Schüttelfrost. Ein klares Denken ist nicht mehr möglich.

Die dünne wenig verhornte Haut der Kinder ist gegenüber Sonneneinstrahlung empfindlich und es entsteht leichter eine schmerzhafte rote Hautverbrennung, manchmal sogar Blasen. Daher brauchen Kinder anfangs eine Sonnencreme. Diese sollte auf mineralischer Basis wirken ohne chemische Lichtschutzfilter, frei von synthetischen Duft-, Farb- und Konservierungsstoffen (z.B. von Lavera).

Wirksamste Erstmaßnahme bei Sonnenbrand: Combudoron Flüssig von Weleda 1:10 verdünnt als feuchte Auflage oder aufgesprüht abwechselnd mit Topfenwickel. Als Folgebehandlung Combudoron Gelee. Innerlich Apis mellifica D30 Globuli und Belladonna D30 Globuli je 5 Globuli aufgelöst in Wasser schluckweise über 2 Stunden. Bei Blasenbildung zusätzlich Cantharis D30.

 

Bei Sonnenstich: Combudoron Flüssig 1:10 auf die Stirn; innerlich: Belladonna D30 und Gelsemium D30 je 5 Globuli mit Wasser über 2 Stunden.